Sein gesamter Körperbau – vom kräftigen Schnabel bis zur Verdauung – ist darauf ausgelegt, tote Tiere zu verwerten. Er hat keine Greifwerkzeuge wie ein Adler, keine Jagdstrategie wie ein Falke, und auch keine genetisch verankerte Beutefixierung. Wildbiologen betonen daher: Der Gänsegeier jagt nicht aktiv lebende Tiere, und es gibt keine Hinweise auf ein evolutionär verankertes Jagdverhalten.
In Wirklichkeit sind Gänsegeier Opportunisten, keine Strategen. Sie folgen thermischen Aufwinden, scannen die Landschaft nach Kadavern, und reagieren auf Bewegung – aber nicht mit der Intention, Panik zu erzeugen.
Rund dreissig Gänsegeier hat der Schafbauer Wyss bei seinen Schafen gesehen. Nur die Glocken sind ihm von dreien geblieben. Die abgestürzten Schafe hatten sie an. Haben Gänsegeier diese in den Tod getrieben? Beobachtet hat die Abstürze niemand.
Die Herde besteht aus 70 Schafen und diese werden anfangs Sommer ausgesetzt und sich selbst überlassen. Im Turnus werden sie kontrolliert und man gibt ihnen Salz. So ungefähr beginnt der Beitrag des Schweizer Fernsehens über den Gänsegeier.
Hier in diesem SRF-DOK (Die Rückkehr der grossen Vögel) nun eine interessante These zur Problematik des Zusammenlebens von Schaf, Geier und neu dem Wolf, welcher TROTZ des unbehüteten Daseins dieser Schafherde durch Abwesenheit glänzt. Trotzdem darf er eine Rolle spielen.
Schafbauer Thomas Wyss: Wenn jetzt der Wolf hier kommt … das kann auf der anderen Seite des Berges sein. Wenn der etwas gerissen hat, dann fliegen die Geier hier durch und riechen … (Wenn der Wolf also, beispielsweise auf der anderen Seite des Berges, etwas reisst, dann würden die vorbeifliegenden Geier das riechen und...) Hier stoppt der Schafbauer seine Theorie und es kommt zum Auftritt von Thomas Knutti, SVP-Nationalrat aus Erlenbach im Simmental: Wir (die SVP?) gehen schon davon aus, dass das einen Zusammenhang mit dem Wolf hat, wenn dann tote Schafe auf den Alpweiden liegen, zieht das den Geier regelrecht an.
Man beachte die Steigerung von der möglichen einzelnen Alpweide zu den vielen, vielen Alpweiden und dann den Gebrauch des Ausdrucks «regelrecht». Dieser wird im Wortrepertoire der SVP gängig benutzt, um einer Aussage Nachdruck zu verleihen, Emotionen zu wecken oder Eindrücke zu dramatisieren. Das ist der Umgang der SVP mit dem für die Schafbauern real sehr unangenehmen Auftauchen von Scharen von Gänsegeiern. Diese sitzen da in den Flühen und sehnen sich – falls Geier das können – nach dem Tod eines oder mehrerer Schafe, sei es durch Stein – oder Blitzschlag oder, auch annehmbar, durch den Wolf.
Der Nationalrat in dieser DOK zieht den Tod durch den Wolf vor. Beim Steinschlag nämlich, könnte es etwas mit dem Klimawandel zu tun haben, konkret mit dem Auftauen des Permafrostes. Schafe halten sich regelrecht in genau diesen Regionen auf. Das wäre aber eine andere Diskussion. Der Wolf hat mit dem Klimawandel nichts zu tun. Noch nicht!
Die Geier waren nach dem Tod der Tiere präsent – was ihrem natürlichen Verhalten entspricht. Dass sie durch ihre schiere Anzahl und Präsenz Unruhe stiften können, ist plausibel. Aber eine gezielte, absichtliche Panikauslösung ist aus wildbiologischer Sicht nicht haltbar. Es fehlt an Belegen, dass Gänsegeier kognitiv oder instinktiv solche Strategien verfolgen.
Alles in allem gibt es da einiges zu überdenken, weiterzudenken: Zum Beispiel dass Schafe Steinschlag auslösen, um andere Schafe zu verletzen oder gar zu töten. Dass diese über den anderen Schafen weidenden Schafe einen Pakt mit dem Wolf geschlossen haben, scheint so abwegig wie die Wege, die sie gehen. Bestechung, Korruption, Verschwörung. Haben der WWF, Greenpeace, Mountain Wilderness die Hand im Spiel!
PS. Rote Winde ist der Alpwirtschaft verbunden und befürwortet einen nachhaltigen Umgang mit dem Wolf. Rote Winde (wir sind mehrere) machen keine Unterschiede und achten alle Tiere in unserer – den Roten Winden gehörenden – Wildnis, vom Schneehasen bis zum Gänse – und anderen Geiern. Rote Winde folgt in Sachen Wolfsmanagement den Wildbiolog*innen und deren wissenschaftlichen Erkenntnissen.
